Von Weihnachtsmärchen und Klimastreiks

Heute, am 24.9., war in vielen deutschen Städten Klimastreik – aufgrund der anstehenden Bundestagswahl ein besonders wichtiger. Das gibt mir gleich doppelt Anlass, meine Kurzgeschichte „Die drei Geister des Klimawandels“ in Erinnerung zu rufen: Erstens geht es darin auch um Fridays for Future. Und zweitens ist in drei Monaten Weihnachten, und eine Weihnachtsgeschichte ist es irgendwie auch – naja, oder zumindest ist der Plot eine Abwandlung von Charles Dickens‘ „Christmas Carol“.

Die nachfolgenden Zeilen stammen aus einer Rede, die ich vor einigen Wochen vor eher konservativem Publikum gehalten habe – auch da hatte ich bereits die Bundestagswahl im Visier. Ich war eingeladen worden, um ein wenig über meine Kinderbücher zu referieren – und das tat ich auch. Aber da meine Bücher auch Ausdruck meines Engagements für mehr Klimagerechtigkeit sind, sind die beiden Themen so eng ineinander verwoben, dass ich einfach über beides sprach: Kinderbücher und gesellschaftliches Engagement gegen die Klimakrise. Zurück also zur Geschichte.

Die drei Geister des Klimawandels

Meine moderne Version von Ebenezer Scrooge heißt Bernd, und Bernd ist ein typischer Erwachsener: Er hat ein Haus, ein großes Auto, liebt Currywurst und Kaffee. Fridays for Future findet er albern, weshalb er sich auch gleich mit einer Aktivistin anlegt. Und ob ausgerechnet er etwas gegen den Klimawandel tun kann, daran hat er so seine Zweifel.

Bis eines nachts die drei Geister des Klimawandels bei ihm aufkreuzen: Der Geist des vergangenen Klimas zeigt ihm, was rasante Klimaänderungen in der Erdvergangenheit mit den Lebewesen auf der Erde gemacht haben – und was die Industrialisierung mit der aktuellen Erwärmung zu tun hat.

Der Geist des gegenwärtigen Klimas zeigt Bernd die heute schon spürbaren Auswirkungen der globalen Erwärmung: Schmelzendes Eis, brennender Regenwälder, Dürreperioden.

Danach ist Bernd schon einigermaßen bedient: Wenn man sich die Auswirkungen des Klimawandels mal vor Augen führt, ist das nämlich ganz schön verstörend. Doch Bernd hat Dickens auch gelesen und weiß, dass noch ein Besuch ansteht: Der Geist des zukünftigen Klimas. Und davor hat er jetzt richtig Angst.

Doch der Geist des zukünftigen Klimas quält Bernd nicht weiter mit Horrorszenarien – immerhin handelt es sich bei meiner Geschichte ja um eine für Kinder!

Der Geist des zukünftigen Klimas zeigt Bernd, welche Änderungen sich in der Zukunft vollziehen müssen, damit der Planet bewohnbar bleibt, und zeigt ihm außerdem, und dass es eben doch auf jeden Einzelnen ankommt. Nach dieser Nacht ist Bernd hoch motiviert, sein Verhalten zu ändern, um seinen Beitrag gegen den Klimawandel zu leisten.

Diese Geschichte ist eine von 11 Mutmachgeschichten in der Anthologie „Zukunftschreiben statt Schwarzmalen“. Erschienen bei Tessloff, dem Was ist Was Verlag. Die Anthologie vereint die Beiträge, die bei dem gleichnamigen Schreibwettbewerb gewonnen haben – darunter eben auch meine.

Selbst Möwen wissen Bescheid

Bei diesem Wettbewerb zu gewinnen, war für mich ein Muss. Immerhin hatte ich bis dahin schon mein erstes Kinderbuch über den Klimawandel „Mats Möwe auf großer Klimamission“ herausgebracht. Darin geht es um die Möwe Mats, die sich anhören muss, wie drei Artgenossen behaupten, den Klimawandel gäbe es überhaupt nicht. Dabei steht jede Möwe für eine Art von Klimaskeptizismus: Timmy etwa leugnet grundsätzlich, dass sich der Planet erwärmt – er ist ein Trendskeptiker. Ursula meint: Es wird zwar wärmer, aber die Menschen können nichts dafür. Sie ist also eine Ursachenskeptikerin. Und Frank schließlich behauptet, die Folgen des Klimawandels seien ja wohl nicht so schlimm – er ist ein Folgenskeptiker.

Mats nimmt die drei Zweifler mit auf eine Reise um den Planeten und beweist ihnen das Gegenteil. Die Geschichte vermittelt also einerseits Wissen über den Klimawandel – sie zeigt aber auch, dass man wüsten Behauptungen und Halbwissen etwas entgegensetzen kann – nämlich belastbare Fakten.

Schreiben, um gelesen zu werden

Warum schreibe ich solche Bücher? Nicht des Geldes wegen, soviel ist sicher. Schreiben ist meine Art, mich mit Themen auseinanderzusetzen. Aber natürlich möchte ich als Autorin auch gelesen werden. Natürlich möchte ich, wenn ich über solch eine Ungerechtigkeit wie den Klimawandel schreibe, auch etwas beim Publikum bewirken.

Der Klimawandel ist gerade dabei, unser Leben gewaltig zu verändern. Vor allem Menschen in anderen Teilen der Welt, und vor allem ärmere Menschen, kämpfen bereits heute mit den Folgen der Erwärmung, die Bernd in Angst und Schrecken versetzt haben.

Doch auch wenn wir hier in Deutschland bleiben: Wir müssen uns dem Klimawandel stellen. Nicht nur, weil Abertausende Menschen hier Zuflucht suchen werden, weil ihre Heimat aufgrund der globalen Erwärmung nicht mehr bewohnbar sein wird. Sondern auch hierzulande rücken doch die Einschläge näher – wir müssen nur ein paar Wochen zurückdenken, als die Ahr und die Erft über die Ufer traten , mehr als 200 Menschen in den Tod rissen und die Zuhause von mehreren Zehntausend Menschen zerstörten.

Solche Ereignisse werden häufiger werden, selbst, wenn wir jetzt sofort alle CO2-Emissionen stoppen würden; und sie werden noch häufiger werden, wenn wir untätig bleiben.

Ein dringender Appell

Ich bitte niemanden darum, zukünftig in einem Zelt zu leben. Das tue ich ja selbst auch nicht. Ich bitte Sie nur, nicht untätig zu bleiben. Ob Sie zukünftig lieber mit der Bahn fahren, ob Sie Ihren Fleischkonsum reduzieren oder ob Sie Ihr Kreuz bei der Partei machen, von der Sie die effektivsten Klimaschutzmaßnahmen erwarten. Und der aktuelle Anlass dieses Textes ist die Bundestagswahl.

Mehr als die Hälfte der Wahlberechtigten sind über 50. Den jungen Menschen sind darauf angewiesen, dass wir Entscheidungen in ihrem Sinne treffen. Ihnen bleibt nur das Demonstrieren. Und genau deshalb finde ich Fridays for Future auch nicht doof, so wie Bernd. Sondern richtig und notwendig. Ich habe sie nicht nur heute auf der Straße unterstützt, sondern will auch meine Bücher als Support dieses wichtigen Anliegens verstanden wissen.

Inspirierende Physiker:innen

Vor kurzem hat mich die Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG) als eine von „175 Inspirierenden“ vorgestellt. Ich habe mich sehr geehrt gefühlt, in einer Reihe mit namhaften Physiker:innen wir Alexander Gerst oder Matthias Bartelmann dort aufzutauchen, und nutzte die Publicity, um für mehr Vielfalt in der Physik zu werben. Die DPG ist offen für alle Physikbegeisterten und mir natürlich aus Unizeiten noch bestens bekannt: etwa durch die Tagungen oder ihre Veröffentlichungen. A propos: Mittlerweile produziere ich selbst Beiträge für DPG-Publikationen – unter anderem ist awk/jk auch an der Organisation der Highlights der Physik beteiligt, die vom BMBF, der DPG und dieses Jahr von der Uni Würzburg veranstaltet werden.

Das ganze Interview bei „175 Inspirierende“ lest ihr hier.

Neuland geschlechtergerechte Sprache

Ich hatte mich nie richtig mit dem Thema Gendern beschäftigt. Vielleicht, weil in den Agenturtexten zu wenig Platz für „…innen und …“ war. Oder vielleicht, weil ich selbst nie das Gefühl hatte, durch das generische Maskulinum benachteiligt zu werden. Als ich den Wechsel in die Wissenschaftskommunikation vollzog, musste ich mich erstmals richtig mit geschlechtergerechter Sprache auseinandersetzen. Nur wenige Wochen später entbrannte in einem meiner Nebenprojekte eine hitzige Diskussion um das Thema Gendern. Auf was für ein Wespennest bin ich da gestoßen? Ich habe mich mal ein bisschen schlau gemacht zum Thema und teile meine Rechercheergebnisse im heutigen Blogbeitrag.

Das generische Maskulinum ist diskriminierend und uneindeutig

Die deutsche Sprache ist eine schöne Sprache, aber einfach ist sie nicht. Lästig in Zeiten der Gleichberechtigung ist, dass die Trennung nach Geschlechtern unserer Grammatik gleichsam eingebrannt ist: Wir kennen Lehrerinnen und Lehrer. Will man nun eine Gruppe von Lehrkräften benennen, passiert Folgendes. Sagt man „Lehrerinnen“, dann ist klar: Das sind alles Frauen. Nennt man sie „Lehrer“, dann könnte es eine reine Männergruppe oder aber eine Gruppe mit Männern und Frauen sein. Dieses sogenannte generische Maskulinum ist also nicht nur diskriminierend, wie die feministische Sprachwissenschaft meint, sondern auch uneindeutig – und das allein wäre Grund genug, zu gendern. Im genannten Fall also zu sagen: eine Gruppe von Lehrerinnen und Lehrern.

Die Einwände dagegen folgen meist prompt: Es handle sich um Zensur, Zusammenhang zwischen Sprache und Sexismus gebe es nicht, geschlechtergerechte Sprache störe den Lesefluss. Mit letztgenannter Einstellung habe ich bislang auch kokettiert, dem Hinzufügen der weiblichen Bezeichnung scheint immer ein Hauch von Bürokratie anzuhaften und es verlängert Texte, was gerade bei kurzen Nachrichtentexten sehr lästig sein kann. Doch ich glaube zu erkennen, dass das Argument „Gendern stört den Lesefluss“ nur eine Variation des Arguments „Das haben wir immer schon so gemacht“ ist. Aber auch wer Sprache als beweglich und veränderlich wahrnimmt, und wer der Meinung ist, dass das Sprechen das Denken beeinflusst, kann sich am Gendern stören – und das aus einem sehr fortschrittlichen Grund.

Macht Gendern die Geschlechter ungleich?

Die Ungleichbehandlung von Mann und Frau beginne doch eigentlich erst, wenn man sie in der Sprache ungleich behandle, so ein Argument der Schriftstellerin Nele Pollatschek. Sie fragt weiter: Warum das Geschlecht als Kategorie zum Thema machen, andere Identitätskategorien aber nicht? Hinter den meisten Berufbezeichnungen stehe ohnehin die Vorstellung eines weißen, christlichen, heterosexuellen Mannes. Dadurch, dass wir die Kategorien Hautfarbe, Religion und sexuelle Orientierung nicht in der Sprache abbilden, das Geschlecht aber schon, machten wir uns eigentlich selbst des Sexismus schuldig, der vom Unterschied zwischen den Geschlechtern besessen ist und ihn auch in der Sprache manifestiert.

So richtig stimmig ist der Vorwurf jedoch nicht, wie Anatol Stefanowitch, Professor für Sprachwissenschaft an der FU Berlin, argumentiert: Denn die Vorstellung des weißen, christlichen, heterosexuellen Schriftstellers ist ein kulturelles Stereotyp. Dass der Schriftsteller ein Mann ist, sagt uns die Sprache aber eindeutig. „Das Geschlecht ist die einzige der von Pollatschek genannten Kategorien, die direkt in die Grammatik des Deutschen kodiert ist“, so Stefanowitsch auf Twitter.

Gendern ja, aber wie?

Also doch gendern, und wenn ja, wie? Besonders attraktiv scheint mir zu sein, zu einer neutralen Form überzugehen – zum Beispiel „Forschende“ oder „Lehrkräfte“, „Fachwissen“ (statt Expertenwissen) und „Besuchsgruppe“ (statt Besuchergruppe). Überall geht das allerdings nicht, man denke an „Ärztinnen und Ärzte“ oder eben „Schriftstellerinnen und Schriftsteller“. Vorsicht: Die Form „…innen und …“ steht in der Kritik, weil sie unterstellt, es gäbe nur männliches oder weibliches, aber kein diverses Geschlecht. Darum wurden das Gender-Sternchen und die Gender-Gap (ein Doppelpunkt oder Unterstrich) eingeführt: Lehrer*Innen bzw. Lehrer:Innen und Lehrer_Innen. Das beim Lesen richtig auszusprechen, daran muss man sich wohl noch gewöhnen. „Aber andererseits erleben wir derzeit eine in dieser Breite nie dagewesene Bereitschaft, sprachliche Traditionen zu hinterfragen“, so Stefanowitch in einem Artikel für den Tagesspiegel.

An diesem Punkt war ich eigentlich überzeugt. In Behördenschreiben, auf Webseiten, in Pressemitteilungen und Zeitungen scheint es mir angebracht, so langsam aber sicher zu einer geschlechtergerechten Sprache überzugehen – auch wenn es noch keine Norm gibt, wie genau diese auszusehen hat. Doch wie ist es in der Literatur? Tatsächlich gibt es einen Roman, der zu 100 Prozent in geschlechtergerechter Sprache verfasst ist: „Wasteland“ von Judith und Christian Vogt. Das Ganze spielt allerdings in der Zukunft. Will man gesprochene Sprache von heute in einem Roman realistisch wiedergeben, dann kann man natürlich nicht sinnvoll gendern. Doch beim Schreiben gilt ja ohnehin, so konkret wie möglich zu sein. Da darf dann aus einer Gruppe von Lehrer*innen ruhig ein Mann und zwei Frauen werden – sofern man das eindeutig sagen kann.

Storytelling in der Klimabildung

Wie kann Storytelling die Klimabildung voranbringen? Mit diesem Thema habe ich mich vergangenen Monat in einem Gastbeitrag für wissenschaftskommunikation.de beschäftigt. Diese Nachveröffentlichung ist auf meinen Blog angepasst und unterscheidet sich darum geringfügig vom Original. Nicht geändert hat sich die wesentliche Behauptung meines Artikels: Nämlich dass Storytelling in der Klimabildung ein äußerst attraktives Werkzeug ist.

Was will Klimabildung erreichen?

Ende vergangenen Jahres machte Italien Schlagzeilen mit der Ankündigung, das Thema Klimawandel in den Schulunterricht zu integrieren. Tatsächlich gibt es in vielen Ländern im Rahmen der „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (BNE) Bestrebungen dieser Art, so auch in Deutschland. In der UNESCO Roadmap zur Umsetzung des Weltaktionsprogramms BNE heißt es: „Eine nachhaltige Entwicklung erfordert eine Änderung unserer Denk- und Handlungsweisen. Bildung spielt für diese Veränderung eine entscheidende Rolle.“ Klimabildung ist also nicht nur Wissensvermittlung, sondern sie will Menschen auch dazu bringen, ihr Verhalten zu ändern. Natürlich sollen Kinder und Erwachsene Ursachen und Auswirkungen der globalen Erwärmung kennen und verstehen. Auch glaubt eine erschreckende Zahl von Leuten immer noch nicht an einen menschengemachten Klimawandel. Hier Klarheit über den Stand der Forschung zu schaffen, ist sicherlich eine Aufgabe von Bildung. Eine weitere ist es, wissenschaftlich fundierte Ideen zu einer nachhaltigen Lebensweise zu vermitteln und Menschen zu motivieren, diese umzusetzen. Gesucht ist also ein Werkzeug, das unser Faktenwissen über den Klimawandel in Handlungen verwandelt. Storytelling, also das Geschichtenerzählen, könnte dieses Werkzeug sein.

Engagierte Literatur verändert das Verhalten

Dass Autorinnen und Autoren durch ihr Schreiben Ungerechtigkeiten in der Welt enthüllen und die Lesenden zu Taten motivieren wollen, behauptete schon Jean-Paul Sartre in seinem Essay „Was ist Literatur?“ von 1947. Er sprach von engagierter Literatur. Eine der großen Ungerechtigkeiten unserer Zeit ist der Klimawandel. Dass wir moralisch dazu verpflichtet sind, etwas gegen ihn zu tun, haben Philosophinnen und Philosophen unterschiedlichster Schulen längst überzeugend argumentiert. Die Politik und die Bevölkerung fordern mehrheitlich, es müsse sich etwas ändern. Doch passiert ist bislang wenig. Warum eigentlich?

Eine moralische Pflicht anzuerkennen heißt noch nicht, dass man sie auch wahrnimmt – das stellt der Moralphilosoph Dieter Birnbacher in seinem Buch „Klimaethik“ klar. Es brauche zusätzliche Anreize. Beim Klimawandel gibt es aber vor allem Erschwernisse: Er betrifft erstens Zeitgenossen, die wir größtenteils nicht kennen, und zweitens in Zukunft Lebende, die wir nicht kennen können. Es liegen also räumliche und zeitliche Entfernungen zwischen uns und denjenigen, die von unseren Maßnahmen gegen die Erwärmung profitieren würden. Und obwohl Forschende den Klimawandel bereits heute für bestimmte Wetterereignisse (wie z.B. Dürren) verantwortlich machen, bleibt er alles in allem ziemlich abstrakt. Birnbacher schreibt, die Risiken „[…] appellieren eher an den kalten Verstand als an das Herz.“ (Birnbacher (2016): Klimaethik, S. 157) Auch Bestseller-Autor Jonathan Safran Foer argumentiert, das Wissen um den Klimawandel allein rufe keine echten Emotionen hervor. Das sei ein Problem, denn: „Fakten allein genügen ganz eindeutig nicht, um uns zu mobilisieren.“ (Foer (2019): Wir sind das Klima, S. 40)

Wie kann eine emotionale Anbindung ans Thema Klimawandel gelingen?

Kann Storytelling die emotionale Anbindung schaffen? Emotionalisierung gilt als ein zentrales Charakteristikum des Geschichtenerzählens. Sie schafft Anreiz, sich mit einem Thema auseinanderzusetzen, erleichtert Verständnis und Aufnahmebereitschaft und hilft Inhalten ins Langzeitgedächtnis. Vor allem könnte sie aber die genannten Motivationshindernisse überbrücken: Abstraktheit sowie räumliche und zeitliche Distanz zu den Betroffenen. Die übermittelten Fakten mögen in ihrer Zahl geringer und möglicherweise weniger akkurat sein. Aber eine Erzählung schafft Identifikationsmomente. Sie gibt uns das Gefühl, die Betroffenen zu kennen – selbst dann, wenn sie fiktiv sind –, und versetzt uns in ihre Situation.  Deswegen sollten wir Fakten zum Klimawandel nicht nur auftischen, sondern sie erzählen.

Doch nicht alle Geschichten sind gleichermaßen geeignet. Wer eine (gute) Story hört, taucht darin ein, fiebert mit. Diesem Effekt (narrative transportation) verdanken Geschichten ihre Überzeugungskraft. Sie verliert sich, wenn die Überzeugungsabsichten zu offensichtlich sind. Dann erkennt das Publikum die Geschichte als manipulativ.

Wie räumliche und zeitliche Distanzen schrumpfen

Es braucht authentische Identifikationsfiguren, mitreißende Erzählstränge und vielleicht schadet hier und da sogar eine dezente Prise Humor nicht. Eine gelungene Erzählung kann dokumentarisch sein: Sie kann Protagonistinnen oder Protagonisten wählen, die bereits heute unter der globalen Erwärmung leiden. So geschieht es beispielsweise in dem Bildband „Schicksale des Klimawandels“ von Mathias Braschler und Monika Fischer, der Porträts vom Klimawandel betroffener Menschen zeigt und sie in wenigen Sätzen ihre Geschichte erzählen lässt. So kann räumliche Distanz gefühlsmäßig schrumpfen.

Auch Fiktion ist erlaubt. Sie ist sogar notwendig! Zwar sind die Auswirkungen des Klimawandels schon heute zu spüren, doch es geht vor allem um Veränderungen, die in der Zukunft liegen. Um diese zeitliche Distanz zu überbrücken, dürfen – müssen – Autorinnen und Autoren Figuren und Situationen erschaffen, die ausgedacht sind. Zu hören, dass in Südeuropa Wasser in Zukunft knapp sein wird, berührt uns nicht. Von der Flucht eines Vaters vor Dürre im Jahr 2041 zu lesen, wie in Maja Lundes Roman „Die Geschichte des Wassers“, schon. So lässt uns Storytelling mit der zukünftigen Generation mitfühlen. Das kann Verbindlichkeit erzeugen.

Vorbilder und echte Helden durch Storytelling in die Welt bringen

Doch Storytelling dürfte in der Klimabildung nicht nur über die Empathie mit Betroffenen funktionieren. „Das Ziel, den Klimawandel zu verhindern, wird auf Dauer nicht ausreichen“, sagt Medienforscher Jens Wolling. Um Menschen zum Handeln zu mobilisieren, brauche es erstrebenswerte, positive Ziele. Umweltpsychologe Torsten Grothmann spricht auch von Vorbildern, denen sich die Klimakommunikation viel stärker widmen müsse. Wie aber kommen solche Utopien und Vorbilder in die Welt?

Durch Storytelling! Diese Idee steckt child-164318_1280beispielsweise hinter dem Schreibwettbewerb „Zukunftschreiben statt Schwarzmalen“, aus dem ich als einer der zehn glücklichen Gewinner hervorging. Hier suchte der Verein Zukunftsschreiben Anfang 2020 explizit solche Geschichten über den Klimawandel, deren Hautpersonen Heldinnen und Helden sind, mit denen Kinder sich identifizieren können und denen sie nacheifern wollen. Das Format könnte durchaus geeignet sein, Denk- und Verhaltensweisen zu beeinflussen. Reale Beispiele, echte Helden, zu denen wir aufsehen können, funktionieren natürlich auch, denn: „[…] die Bewunderung ist ein Versprechen der Nacheiferung […]“, so schrieb Sartre in seinem Aufsatz.

Storytelling wirkt aber nicht nur bei der Leserschaft. Es wirkt auch bei den Autorinnen und Autoren. Deswegen sollen beispielsweise Schülerinnen und Schüler ruhig selbst mal recherchieren und erzählen. Dieser Prozess schafft eine noch engere emotionale Bindung zum Thema und mobilisiert zum Handeln, allein um der eigenen Glaubwürdigkeit Willen. Dass sich besonders die jungen Menschen engagieren möchten, zeigt die Fridays for Future-Bewegung.

In der Klimabildung auf engagierte Literatur setzen

Klimabildung ist wichtig. Doch sie darf nicht nur um ihrer selbst willen geschehen. Ihr Ziel ist es erklärtermaßen, junge und erwachsene Menschen zu inspirieren, nachhaltiger zu leben. Fakten allein werden nicht ausreichen, um sie davon zu überzeugen. Storytelling ist ein wirksames und sogar notwendiges Werkzeug, um das Thema Klimawandel zu emotionalisieren, um räumliche und zeitliche Distanzen zu verkleinern sowie Vorbilder und Utopien zu schaffen. Geschichten über den Klimawandel gehören zur engagierten Literatur unserer Zeit. Vielleicht können wir uns mit ihrer Hilfe endlich aus unserer Lethargie befreien und nachhaltige Entwicklung verwirklichen.

Nachhaltige Bücher

Bücher über Nachhaltigkeit sind absolut im Trend. Doch wie nachhaltig sind sie selbst? Jahrelang habe ich Bücher verschlungen, ohne darüber nachzudenken, welche Auswirkungen das auf die Umwelt hat. Das änderte sich mit meinem ersten Kinderbuch über den Klimawandel. Plötzlich musste ich überlegen, wie sich die Botschaft meiner Geschichte auch im Produkt wiederspiegeln könnte. Wie sieht ein klima- und umweltverträgliches Buch aus? Es muss auf diese Frage eine Antwort geben, denn Verzicht aufs Lesen ist sicher keine Option!

CO2-Emissionen des Buchdrucks in Deutschland

In Deutschland werden laut einem Bericht des Bayerischen Rundfunks jedes Jahr eine Milliarde Bücher gedruckt. Für deren Herstellung braucht man Papier, Farbe und Energie. Nur 20 Prozent der Bücher werden auf Recyclingpapier gedruckt, für den Rest werden Bäume gefällt. In dem BR-Bericht heißt es, für eine Million Kopien eines 250 Seiten dicken Buches müssten 12.000 Bäume dran glauben. Selten sind dies heimische Hölzer, im schlimmsten Fall stammen sie sogar aus dem Urwald. Ein Buch aus sogenanntem Frischfaserpapier verursacht dazu 1,1 Kilogramm CO2, eines aus Recyclingpapier immer noch 0,9 Kilogramm. Man kann also einen Liter Milch trinken oder ein Buch kaufen, für das Klima ist das gleich schlecht.

Die gute Nachricht: Wir müssen deshalb nicht aufhören zu lesen (oder zu schreiben). Denn die Welt braucht gute Bücher. Eine tolle Möglichkeit, die mein Verlag genutzt hat, ist es, die CO2-Emissionen eines Buchprojekts wie bei einem Flug zu kompensieren. Dazu berechnet der Dienstleister Climate Partner die CO2-Emissionen, die durch Druck und Transport entstehen, und der Verlag unterstützt im entsprechenden Umfang ein Projekt, das CO2 aus der Atmosphäre bindet. Im Falle von Mats ging das Geld an ein Waldschutzprojekt in Papua Neuguinea.

Klimaneutral, aber auch nachhaltig?

Damit ist ein Buch klimaneutral, aber ist es auch umweltfreundlich? Das Projekt „Nachhaltig publizieren“ hat Leitlinien entwickelt für ein umweltverträglicheres Verlagswesen. Diese nehmen zwei Dinge ins Visier: die Nachhaltigkeit von Druckpapieren und die von Druckprozessen. Bei den Papieren geht es vor allem darum, dass vorwiegend Recyclingpapier zum Einsatz kommt, um Ressourcen wie Holz zu schonen. Alternativ solle Holz für Papier aus nachhaltiger und bestensfalls regionaler Forstwirtschaft bezogen werden sowie frei von bedenklichen Chemikalien (z.B. als Bleichmittel) sein. Das Zertifikat „Blauer Engel“ stimmt laut Hintergrundpapier mit den meisten dieser Anforderungen überein.

Bei den Druckprozessen liegt das Augenmerk unter anderem auf der Umweltverträglichkeit der Farben. Sie sollten frei von Mineralöl und gefährlichen Inhaltsstoffen sein. Letzteres gilt auch für im Druck eingesetzte Chemikalien wie Binde- und Reinigungsmittel. Außerdem sollen Lösemittelemissionen begrenzt werden, denn durch sie werden VOC (Volatile organic compounds) freigesetzt, die gesundheitsschädliches bodennahes Ozon bilden können. Auch Energieeffizienz, Abfallvermeidung und Nutzung von Ökostrom sind bedeutsam für eine nachhaltige Buchproduktion.

Mats Möwe ist an diesen Kriterien gemessen ziemlich nachhaltig – ich bin zufrieden. Das Buch ist mit umweltfreundlichen Farben auf 100 Prozent Recyclingpapier gedruckt, das mit dem Blauen Engel und dem EU-Ecolabel ausgezeichnet ist. Der einzige Wermutstropfen ist, wie ich herausgefunden habe, eine Mattfolienkaschierung, die den Buchumschlag schützen soll. Denn diese Beschichtung besteht aus Kunststoff. Tatsächlich wurde die Veredelung des Umschlags auch in den Veröffentlichungen von „Nachhaltig publizieren“ nicht thematisiert. Für Mats hingegen gibt es einen Plan: Das Cover von „Mats Möwe und die Plastikplage“, das diesen Herbst im Carl Schünemann Verlag erscheint, soll durch einen umweltfreundlichen Drucklack geschützt werden. Ich bin gespannt auf das Ergebnis!

Kompostierbare Blumen-Bücher

Man kann dem Ganzen aber noch eins draufsetzen: Der Dresdener Verlag „Matabooks“ stellt Bücher aus Graspapier her. Sie sind kompostierbar! Das Start-Up verkauft übrigens auch Notizbücher, die eine besondere Überraschung bereithalten: Dort sind Blumensamen in den Umschlag eingearbeitet. Einmal vollgeschrieben, kann man sie einpflanzen. Und es wächst wieder etwas Neues. Wie man sieht, ist bei der Umweltfreundlichkeit von Büchern immer noch etwas Luft nach oben!

 

“Wir brauchen Verbündete, die uns helfen!“

Nachhaltigkeit hat etwas mit Gerechtigkeit zu tun. Deswegen können Menschen, die sich für Nachhaltigkeit einsetzen, nicht einfach wegsehen, wenn Menschen rassistisch beleidigt, verfolgt oder auch nur irgendwie benachteiligt werden. Doch was kann man tun als weißer, privilegierter Mensch? Ich habe mal einen Freund gefragt, der davon betroffen ist. Diyan Duke ist Amerikaner und lebt seit über zehn Jahren in Deutschland, weil er den offenen Rassismus in seiner Heimat nicht mehr ertragen hat. Sein Wunsch: Weiße Menschen sollten ihre Plattformen nutzen, um andere Weiße Menschen zu informieren. Diesem Wunsch wollte ich gern nachkommen. Was er sich sonst noch erhofft und wie sein Blick auf die Situation in den USA ist, hat er mir in einem kleinen Interview verraten.

Das Interview habe ich im Original auf Englisch geführt

-> Read the English interview here. <-

Wie fühlst du dich, wenn du zurzeit die Nachrichten schaust?

Wenn ich momentan Nachrichten schaue, fühle ich mich irgendwie überfordert, weil so viele Dinge zur gleichen Zeit passieren. Ich verfolge genau, was in meiner Heimatstadt Louisville vor sich geht, und das ist schwer mitanzusehen, denn ich habe Freunde und Familie, die auf die Straße gehen und protestieren und an diesen Dingen teilnehmen, also betrifft mich das direkt.

Engagieren sie sich in letzter Zeit noch stärker bei den Protesten gegen Polizeigewalt und Rassismus?

diyan-1Manche von meinen Freunden waren schon immer Demonstranten und in jüngerer Zeit sehe ich Leute, die anfangs nicht so interessiert schienen, jetzt aber das Gefühl haben, etwas tun zu müssen. Es wird immer schwieriger, nur vom Rande aus zuzuschauen. Es ist eine Zeit, in der Leute das Bedürfnis haben, etwas zu tun, und das macht mir etwas Hoffnung. Was ich aber sehen muss, ist Konsistenz. Wo werden wir in drei Monaten stehen? Wie wird es zur Weihnachtszeit sein, wenn die Leute sich eher Gedanken darüber machen, was sie Freunden und der Familie zu Weihnachten schenken, und sich ablenken lassen? Ich habe in einem Podcast und im Fernsehen die Hypothese gehört, dass all diese Demonstrationen nicht in diesem Ausmaß stattfinden würden, und dass vor allem weiße Amerikaner nicht so stark dabei wären, wenn Corona nicht wäre. Corona hat alle weichgeklopft.

Wie das?

Viele Leute haben keinen Job, das heißt, sie müssen sich keine Gedanken darüber machen, jeden Tag von neun bis fünf Uhr auf der Arbeit zu sein. Aber die Corona-Zeit war auch für viele weiße Amerikaner das erst Mal, wo sie das Wort „Nein“ zu hören bekamen. Und sie hatten das Gefühl, dass ihre Grundrechte verletzt wurden. Als Schwarzer Mensch oder Angehöriger der indigenen Bevölkerung in Amerika haben wir so etwas schon immer erlebt. Wir sind daran gewöhnt, dass man uns sagt: seid geduldig, wartet ab, das könnt ihr nicht tun, das ist euch nicht erlaubt. Der weiße Teil Amerikas kennt das nicht, und jetzt lernten sie es kennen. Für viele war das ein Weckruf.

Was glaubst du, wie nachhaltig ist diese Reaktion?

Das meine ich mit Konsistenz. Was passiert, wenn die Dinge sich wieder etwas normalisieren? Ich denke, da wird es schon Leute geben, die sagen „Klar, das hat Spaß gemacht, aber jetzt muss ich in mein normales Leben zurück“. Auf der anderen Seite sieht man, dass ein Großteil dieser Bewegung von jungen Leuten getragen wird. Die Bürgerrechtsbewegung wurde von jungen Leuten angeführt, Martin Luther King war ein junger Mann, Malcom X war ein junger Mann, die Black Panthers waren junge Studierende, junge Hippies protestierten gegen den Vietnamkrieg. Und jetzt sind die jungen Menschen noch besser vernetzt durch die sozialen Medien und ich denke, dass sie diese Sache weiter durchboxen werden. Das ist die Hoffnung, die ich habe. Bei vielen älteren Leuten bin ich mir nicht so sicher.

Erlebst du bei deinen weißen Bekannten, dass sie wenig über Rassismus wissen oder es nicht wahrhaben wollen?

Mit Sicherheit. Nicht so sehr bei meinen Bekannten in Europa, aber in Amerika schon. Manche würden leugnen, dass sie als Weiße privilegiert sind. Das liegt daran, dass sie nicht verstehen, was das weiße Privileg ist. Sie sagen: Wenn ich privilegiert bin, warum bin ich dann nicht Bill Gates, warum bin ich kein Millionär? Das hat nichts mit weißer Privilegiertheit zu tun. Weißes Privileg schirmt dich ab von vielen Dingen, die wir Schwarzen Amerikaner oder Indigene uns sehr genau überlegen müssen. Ein Beispiel: Der Bruder einer Freundin ist Mexikaner und muss immer sehr genau darüber nachdenken, was er für ein Auto fährt. Er hat Geld. Wenn er ein zu schickes Auto fährt, wird er immer angehalten werden, weil die Polizei es für gestohlen hält. Fährt er ein nicht so schickes Auto und hält sich in bestimmten Gegenden auf, wird er für einen Kriminellen gehalten. Ein Weißer Mensch muss niemals in dieser Weise überlegen, was für ein Auto er fährt. diyan-2Es gibt noch etwas, dass die Menschen an Privilegiertheit nicht verstehen.  Erst seit kurzem gibt es mehr Möglichkeiten beim Makeup, weil Makeup normalerweise für Weiße gemacht wird. Pflaster haben die Farbe, die sie haben, weil sie zu der Hautfarbe weißer Leute passen sollen. Alles wird für euch gemacht. Ihr seid der Standard. An uns wird erst im Nachhinein gedacht.

Was können Weiße Menschen denn jetzt tun?

Informiert euch. Wir sind es leid, Leuten immer wieder zu erklären, was vor sich geht. Wir sagen das seit Ewigkeiten. Was Weiße Menschen auch verstehen müssen, ist, dass diese Dinge uns traumatisieren. Du lebst unter hohem Druck, tu lebst mit dem Trauma und dann sind da immer Leute, die dich bitten, Dinge immer wieder zu erklären. Wenn jemand in einer missbrauchenden Beziehung gefangen wäre und man das Opfer ständig wieder befragen würde – keiner will das ständig wieder aufwärmen. Es ist doch ganz einfach: Wenn Schwarze Menschen oder Indigene diese Probleme lösen könnten, hätten sie es längst getan. Aber wir haben keine Macht. Dieses Problem kommt aus der weißen Gesellschaft und deshalb muss diese es auch korrigieren. Weiße Menschen sollten ihre Plattformen nutzen, um andere Weiße Menschen zu informieren und dieses Problem zu beenden. diyan-3Denn offensichtlich erheben wir unsere Stimmen seit langem, aber wir wurden nicht gehört. Wir brauchen Verbündete, die uns helfen. Denn wir können das nicht allein durchsetzen. Deshalb ist es systemischer Rassismus. Weil wir in Amerika oder anderswo auf der Welt nicht die Macht haben, um die Veränderungen durchzubringen. Die rassistischen Strukturen existieren immer noch.

Wir sollen uns also informieren, unsere Plattformen nutzen…

Und das ist das Wichtigste: Habt keine Angst vor unbequemen Unterhaltungen mit anderen Weißen Menschen. Denn die Mehrheit der Weißen weiß, was andere Weiße hinter verschlossenen Türen sagen, und dann sagen sie sich „Ich will keine Probleme machen, ich will den Familienfrieden bewahren“. Aber es ist so eine wichtige Sache, denn hier geht es um Menschlichkeit! Weiße Menschen können ein bisschen Unbehaglichkeit am Esstisch ertragen. Sie werden das schaffen. Uns werden Waffen an den Kopf gehalten. Wenn jemandem beim Abendessen wütend auf dich wird, wirst du das überleben.

Hat der Umzug nach Europa die Dinge besser für dich gemacht?

Es hat Dinge für mich erträglicher gemacht, weil ich nicht mehr täglich mit Rassismus oder Mikroaggressionen konfrontiert bin. Ich lebe nicht in Angst. Versteh mich nicht falsch, wir haben hier unsere eigenen Probleme mit Rassismus. Aber Amerika ist das große Rassismus-Experiment. Es wurde auf den Rücken versklavter Menschen aufgebaut. ‚Rasse‘ ist immer der Elefant im Zimmer.

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Diyan Antonio Duke (Künstlername Transatlanticbounce) ist ein autodidaktischer Multimediakünstler aus Bremen. Mit seiner Arbeit nimmt er Stellung zu sozialen Themen und dekonstruiert die Popkultur. Der 46-Jährige wurde in Louisville, Kentucky, geboren und ist dort aufgewachsen. 2009 verließ er Amerika wegen des alltäglichen Rassismus. Seither lebt er in Deutschland. ((c) Bild: Diyan Duke)

Klimawissen für Kinder

Mit Klimakommunikation beschäftige ich mich schon eine ganze Weile – mit der  Zielgruppe Kinder aber erst seit ein paar Jahren. Mit „Mats Möwe“, „Es war einmal“ und meiner Teilnahme am „Zukunftschreiben“-Wettbewerb habe ich gezeigt, wie ernst es mir mit der jungen Zielgruppe ist. Aber Texte sind nicht der einzige Weg, Wissen zu vermitteln. Ich habe mich mal auf die Suche gemacht nach anderen Angeboten, die Kindern das Thema Klimawandel auf spannende Weise näher bringen. Und ich bin vielerorts fündig geworden!

Bücher

Klar – Bücher sind das traditionelle Medium der Wissensvermittlung, auch bei Kindern! Zum Thema Klimawandel gibt es hier eine Reihe von Sachbüchern, relativ neu ist das Cover_27.02.19.inddBuch „Wie viel wärmer ist 1 Grad? – Was beim Klimawandel passiert“ von Kristina Scharmacher-Schreiber und Stephanie Marian aus dem Verlag Beltz & Gelberg. Natürlich hat die bekannte Reihe „Was ist was?“ vom Tessloff-Verlag auch ein Buch zum Thema Klima. Mein Buch „Mats Möwe auf großer Klimamission1091_mats_titel_648hochaus dem Schünemann-Verlag ist hingegen ein Versuch, das Thema Klimawandel in eine kleine Geschichte einzubinden. Die gleiche Idee steckt hinter dem kostenlosen Ebook „Es war einmal… wissenschaftliche Kurzgeschichten“ und auch hinter der Anthologie „Zukunftschreiben statt Schwarzmalen“, die diesen Herbst im Tessloff-Verlag erscheint!

Podcast

little-girl-4811695_1920Klimawissen gibt es auch als Hörspiel! Der „Hitzefrei-Podcast“ von Hannah Weber widmet sich Fragen rund um die Themen Klimawandel und Umweltverschmutzung. Sie erklärt die grundlegenden Zusammenhänge und führt kindgerechte Interviews mit Experten. Jede Folge dauert etwa 20 Minuten.

Comics

Permafrost-Böden drohen durch den Klimawandel zu tauen – und das wiederum könnte einen Feedback-Mechanismus auslösen, denn Permafrost-Böden speichern sehr viel Kohlenstoff. Damit beschäftigt sich die Comic-Reihe „Es taut!„, Ergebnis des Projekts „Frozen Ground Cartoons“ von Wissenschaftlern und Künstlern aus Kanada und Europa.

Film & Fernsehen

Für jüngere Kinder gibt es Wissenssendungen des ZDF, zum Beispiel aus den Reihen logo! oder Löwenzahn, die sich mit dem Thema Klimawandel beschäftigen. Für Jugendliche gibt es eine Liste von spannenden Dokumentationen und Filmen zum Thema Klima auf der Webseite „Filme für die Erde“. Die meisten hiervon sind ab 12 Jahren empfohlen.

Workshops

Diese Hinweise stehen natürlich gerade unter einem Corona-Vorbehalt. Aber generell steht Kindern auch eine Reihe von Bildungsprojekten zur Verfügung, in denen sie eine klimafreundliche Lebensweise hautnah erleben und vieles über den Klimawandel lernen können. Beispielsweise vermittelt die Kinder- und Jugendfarm Bremen in verschiedenen Workshops und Mitmachaktionen Wissen rund um die Themen regionale Ernährung, Müllvermeidung und Bienen. Auch der urbane Garten „Lucie“ in der Bremer Neustadt bietet Veranstaltungen rund um Ökologie und Umweltwissen an – Mitmachen ist ausdrücklich erwünscht!

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Museen

In vielen Museen findet man Exponate zum Thema Klimawandel. In Bremen zum Beispiel im Universum im Bereich „Natur“, im Übersee-Museum in der ständigen Ausstellung und natürlich im Bremerhavener Klimahaus – ein ganzes Museum, das sich den verschiedenen Klimazonen der Erde widmet und erklärt, wie es sich in Zukunft wandeln wird. Dort gibt es auch Workshops und Handreichungen für Schulklassen. Auf der Webseite des Klimahauses findet man auch Bastelanleitungen, Geschichten und ein Quiz– und zwar kostenlos!

Das Beitragsbild ist von Mojica JJ auf pixabay.de (CC0). Die Cover der Bücher sind von den Webseiten der jeweiligen Verlage. Das Bild von dem Mädchen mit den Kopfhörern wurde von Simedblack auf pixabay.de angeboten (CC0). Das Foto des Klimahauses stammt von Laborratte auf pixabay.de (CC0).

Mats Möwe ist da!

Mein Kinderbuch „Mats Möwe auf großer Klimamission“ gibt es jetzt beim Carl Schünemann Verlag oder überall im Handel. Folgt Mats auch auf Instagram!

Klimawandel? Gibt’s doch gar nicht! Gibt es doch – das weiß auch Möwe Mats, dessen Zuhause ein ruhiges Fleckchen am Nordseestrand ist. Drei seiner Artgenossen glauben jedoch nicht an die Erderwärmung und ihre Folgen. Steigender Meeresspiegel? Extremes Wetter? Schmelzendes Eis? Alles Einbildung, und schon gar nicht die Schuld der Menschen, behaupten sie. Mats beschließt: Jemand muss diese drei skeptischen Möwen mal aufklären! Und so nimmt er sie mit auf eine spannende Reise um die Welt, die sie zum Nordpol, nach Hawaii und nach Bangladesch führt.

In diesem Buch erklärt Mats Möwe die Ursachen und Auswirkungen des Klimawandels und hat auch noch ein paar Tipps auf Lager, wie auch du im Alltag der Umwelt helfen kannst.

Zukunft schreiben

Der Schreibwettbewerb „Zukunftschreiben statt Schwarzmalen“ sucht Kurzgeschichten für Kinder, die den Klimawandel zum Thema haben. Genau mein Ding! Herausgekommen ist eine Adaption der Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens. Wer die Idee mag, sollte unbedingt für meine Geschichte stimmen!

Klimawandel: Nur ein Grund zum Schulschwänzen? So denkt jedenfalls Bernd, der Protagonist meiner Geistergeschichte. Doch dann bekommt er eines Nachts Besuch von drei Geistern, die ihm das Klima der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft zeigen. Können sie Bernd eines Besseren belehren?

Die Geschichte thematisiert den Klimawandel, aber auch den Generationenkonflikt, der sich in diesem Thema deutlich spiegelt. Sollte sie als eine von 10 Kurzgeschichten ausgewählt werden, erschiene sie im Herbst 2020 in der „Zukunftschreiben“-Anthologie. Eine (erwachsene) Jury kürt die Gewinner. Allerdings ist da noch ein Haken.

Man kann Bonuspunkte sammeln, wenn man Leser dazu bewegen kann, auf der Zukunftschreiben-Webseite für die eigene Geschichte zu stimmen – und zwar nur anhand der Zusammenfassung! Das wiederum ist überhaupt nicht mein Ding! Allein die Qualität der Texte sollte zählen, und nicht, wie viele Follower der Autor mobilisieren kann.

Aber ich möchte auch nicht, dass meine Teilnahme daran scheitert. Denn die Idee des Wettbewerbs ist klasse: Die Geschichten sollen jungen Lesern (8-12) angesichts der oft niederschmetternden Fakten Optimismus und Tatendrang in Sachen Klimakrise vermitteln.

Für meine Geschichte stimmen könnt ihr hier. Und natürlich lasse ich euch an dieser Stelle wissen, wie es ausgegangen ist.

Wissenschaft für Kinder

Vor kurzem habe ich hier im Blog Ideen gesammelt, wie Wissenschaftler in Bremen sich mit der Öffentlichkeit austauschen können. Heute geht es noch mal um eine ganz spezielle Zielgruppe: Kinder. Wo können junge Menschen in Bremen mit der Wissenschaft in Kontakt kommen? Ich habe mich auf die Suche gemacht und bin vielerorts fündig geworden. Hier eine kleine Auswahl:

Universum Bremen

Erste Anlaufstelle sind natürlich die Bremer Museen, die ganz unterschiedliche Bereiche abdecken. Im Universum gibt es Exponate zum Anfassen aus allen möglichen Bereichen der Naturwissenschaft. Außerdem zeigen clevere Leute wie meine Freundin Christina dort in Science Shows spannende Experimente. Wer lieber selbst forscht und bastelt, kann das im nordbord Bremen Science Club tun (10-19 Jahre, einmal die Woche). Wie in den meisten Museen gibt es auch Angebote für Kitas und Schulen und die Möglichkeit, Geburtstage zu feiern.

Klimahaus Bremerhaven

Ein anderes Erlebnismuseum ist zum Beispiel das Klimahaus in Bremerhaven, wo es um Umwelt und Klimawandel geht. Auf der Internetseite des Klimahauses findet man auch spannende Geschichten zum Vorlesen und selber Lesen, ähnlich wie bei unserem Kurzgeschichtenprojekt.

detective-788592_1920.jpgWeitere Erlebnismuseen

Mehr über Pflanzen und Ökologie kann man in der Botanika Bremen erfahren. Dort gibt es auch sonntags immer die Gelegenheit, Experimente selbst durchzuführen. Weitere spannende Museen sind zum Beispiel das Überseemuseum, ein Völker- und Naturkundemuseum, oder das Auswandererhaus, in dem es um die Ein- und Auswanderungsgeschichte Bremerhavens geht.

Planetarium

Wer sich für Astronomie begeistert, kann im Olbers-Planetarium eine der vielen laufenden Veranstaltungen besuchen und die Geschichte der traurigen Sonne oder die Rettung der Sternenfee Mira hören. Das Programm richtet sich an Kinder bereits ab vier Jahren.

Kinder-Uni & Co

Universitätsluft schnuppern können Kinder zwischen 8 und 12 Jahren bei der Bremer Kinder-Uni. Dort engagiert sich zum Beispiel einer meiner Institutsleiter. Bei diesem Ferienprogramm können die jungen Teilnehmer speziell auf sie zugeschnittene Vorlesungen hören und in den Laboren auch selbst Hand anlegen. Auch hier geht es hauptsächlich um technisch-mathematische Fächer. Für Oberstufenschüler child-212394_1920und -schülerinnen bietet die Uni außerdem die Sommerakademie an. Zusätzlich gibt es verschiedene Möglichkeiten, ein Praktikum zu machen oder Probevorlesungen zu hören. Alle Angebote der Uni für Schülerinnen und Schüler sind hier nachzulesen. Das sind dann allerdings größtenteils Angebote für ganze Schulklassen. Solche gibt es auch beim Marum Uni-Schul-Labor (Geowissenschaften), beim FreiEx-Schülerlabor (Chemie), beim BaSci Lab (Biologie) oder beim School Lab des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) (Raumfahrt).

Smile

Mädchen, die sich für Informatik interessieren, finden im smile-Programm eine große Auswahl an Workshops, in denen vom smarten Rucksack bis zum Aufräum-Roboter alles Mögliche gebastelt wird. Beeindruckend! Für Mädels ab der 5. Klasse.

 

Eine ausführliche Liste von Angeboten im Bereich „Wissenschaft für Kinder“ führt die Stadt Bremen auf ihrer Internetseite, allerdings sind ein paar Links veraltet. Zu allgemeinen Bildungsangeboten für Kinder, die nicht unbedingt mit Wissenschaft zu tun haben müssen, wird’s dann wohl noch mal einen eigenen Blogbeitrag geben!

(Benutzte Bilder sind alle gemeinfrei (CC0), von Pixabay)