Literatur, Nachhaltigkeit, Umwelt

Nachhaltige Bücher

Bücher über Nachhaltigkeit sind absolut im Trend. Doch wie nachhaltig sind sie selbst? Jahrelang habe ich Bücher verschlungen, ohne darüber nachzudenken, welche Auswirkungen das auf die Umwelt hat. Das änderte sich mit meinem ersten Kinderbuch über den Klimawandel. Plötzlich musste ich überlegen, wie sich die Botschaft meiner Geschichte auch im Produkt widerspiegeln könnte. Wie sieht ein klima- und umweltverträgliches Buch aus? Es muss auf diese Frage eine Antwort geben, denn Verzicht aufs Lesen ist sicher keine Option!

CO2-Emissionen des Buchdrucks in Deutschland

In Deutschland werden laut einem Bericht des Bayerischen Rundfunks jedes Jahr eine Milliarde Bücher gedruckt. Für deren Herstellung braucht man Papier, Farbe und Energie. Nur 20 Prozent der Bücher werden auf Recyclingpapier gedruckt, für den Rest werden Bäume gefällt. In dem BR-Bericht heißt es, für eine Million Kopien eines 250 Seiten dicken Buches müssten 12.000 Bäume dran glauben. Selten sind dies heimische Hölzer, im schlimmsten Fall stammen sie sogar aus dem Urwald. Ein Buch aus sogenanntem Frischfaserpapier verursacht dazu 1,1 Kilogramm CO2, eines aus Recyclingpapier immer noch 0,9 Kilogramm. Man kann also einen Liter Milch trinken oder ein Buch kaufen, für das Klima ist das gleich schlecht.

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Die gute Nachricht: Wir müssen deshalb nicht aufhören zu lesen (oder zu schreiben). Denn die Welt braucht gute Bücher. Eine tolle Möglichkeit, die mein Verlag genutzt hat, ist es, die CO2-Emissionen eines Buchprojekts wie bei einem Flug zu kompensieren. Dazu berechnet der Dienstleister Climate Partner die CO2-Emissionen, die durch Druck und Transport entstehen, und der Verlag unterstützt im entsprechenden Umfang ein Projekt, das CO2 aus der Atmosphäre bindet. Im Falle von Mats ging das Geld an ein Waldschutzprojekt in Papua Neuguinea.

Klimaneutral, aber auch nachhaltig?

Damit ist ein Buch klimaneutral, aber ist es auch umweltfreundlich? Das Projekt „Nachhaltig publizieren“ hat Leitlinien entwickelt für ein umweltverträglicheres Verlagswesen. Diese nehmen zwei Dinge ins Visier: die Nachhaltigkeit von Druckpapieren und die von Druckprozessen. Bei den Papieren geht es vor allem darum, dass vorwiegend Recyclingpapier zum Einsatz kommt, um Ressourcen wie Holz zu schonen. Alternativ solle Holz für Papier aus nachhaltiger und bestensfalls regionaler Forstwirtschaft bezogen werden sowie frei von bedenklichen Chemikalien (z.B. als Bleichmittel) sein. Das Zertifikat „Blauer Engel“ stimmt laut Hintergrundpapier mit den meisten dieser Anforderungen überein.

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Bei den Druckprozessen liegt das Augenmerk unter anderem auf der Umweltverträglichkeit der Farben. Sie sollten frei von Mineralöl und gefährlichen Inhaltsstoffen sein. Letzteres gilt auch für im Druck eingesetzte Chemikalien wie Binde- und Reinigungsmittel. Außerdem sollen Lösemittelemissionen begrenzt werden, denn durch sie werden VOC (Volatile organic compounds) freigesetzt, die gesundheitsschädliches bodennahes Ozon bilden können. Auch Energieeffizienz, Abfallvermeidung und Nutzung von Ökostrom sind bedeutsam für eine nachhaltige Buchproduktion.

Mats Möwe ist an diesen Kriterien gemessen ziemlich nachhaltig – ich bin zufrieden. Das Buch ist mit umweltfreundlichen Farben auf 100 Prozent Recyclingpapier gedruckt, das mit dem Blauen Engel und dem EU-Ecolabel ausgezeichnet ist. Der einzige Wermutstropfen ist, wie ich herausgefunden habe, eine Mattfolienkaschierung, die den Buchumschlag schützen soll. Denn diese Beschichtung besteht aus Kunststoff. Tatsächlich wurde die Veredelung des Umschlags auch in den Veröffentlichungen von „Nachhaltig publizieren“ nicht thematisiert. Für Mats hingegen gibt es einen Plan: Das Cover von „Mats Möwe und die Plastikplage“, das diesen Herbst im Carl Schünemann Verlag erscheint, soll durch einen umweltfreundlichen Drucklack geschützt werden. Ich bin gespannt auf das Ergebnis!

Kompostierbare Blumen-Bücher

Man kann dem Ganzen aber noch eins draufsetzen: Der Dresdener Verlag „Matabooks“ stellt Bücher aus Graspapier her. Sie sind kompostierbar! Das Start-Up verkauft übrigens auch Notizbücher, die eine besondere Überraschung bereithalten: Dort sind Blumensamen in den Umschlag eingearbeitet. Einmal vollgeschrieben, kann man sie einpflanzen. Und es wächst wieder etwas Neues. Wie man sieht, ist bei der Umweltfreundlichkeit von Büchern immer noch etwas Luft nach oben!

Die Bilder in diesem Beitrag sind alle lizenzfrei (CC0) und stammen von http://www.pixabay.com.

 

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