Umwelt, Wissenschaft

Bunte Bilder und ihre Bedeutung

IUP_Image of the Month_August2018Heute wird’s wissenschaftlich: Auf der Webseite meines Instituts ging vor Kurzem dieses Bild online, das einen wichtigen Teil meiner Arbeit zeigt. Es geht um die Frage, wie viel Kohlenstoffdioxid (CO2) aus südostasiatischen Flüssen herauskommt. Bei meiner Forschungsarbeit am Institut für Umweltphysik an der Uni Bremen habe ich viel mit dem Leibniz Zentrum für Marine Tropenforschung und der Swinburne Universität in Kuching, Malaysia, zusammengearbeitet. Bei unseren neuesten Untersuchungen haben wir den Rajang-Fluss genauer unter die Lupe genommen. Der längste Fluss Malaysias fließt durch die leider vielfach abgeholzten Regenwälder Borneos, durch Palmölplantagen und Torfgebiete. In diesen Torfgebieten steckt extrem viel Kohlenstoff, weil sie aus zersetztem Pflanzenmaterial bestehen – ähnlich wie unsere Torfe hier in Deutschland. Einerseits erwartet man, dass ein Teil dieses Kohlenstoffs in den Fluss gelangt, wo Bakterien ihn zu CO2 umwandeln. Andererseits liegen die Torfgebiete so nah an der Küste, dass der Kohlenstoff auch ziemlich schnell im Meer landet und gar nicht so viel CO2 entstehen kann. Und nach letzterem sieht auch die Situation am Rajang aus.

Die Fotos zeigen das Fischerboot, das wir in ein schwimmendes Labor umgewandelt haben, sowie Studenten und Wissenschaftler bei der Arbeit.

pco2_map

Die Karte zeigt unsere Messergebnisse – einmal während der Regenzeit (oben) und einmal während der Trockenzeit (unten). Dabei stehen die Farben für die Menge an CO2, die wir an der jeweiligen Stelle gemessen haben: Rot und orange bedeuten, dass dort besonders viel CO2 vorhanden war, gelb und grün ist etwas weniger, und blau steht für niedrige CO2-Konzentrationen. In dunkelgrau sind die Torfgebiete gekennzeichnet. Man sieht: Dort, wo Torf ist, ist zunächst auch das CO2 höher, zur Küste hin wird es aber immer weniger. Letzteres ist ganz normal, denn das Ozeanwasser verdünnt das CO2 im Fluss. Doch Vorsicht: Man könnte hier denken, die Torfgebiete seien für das kurzzeitig erhöhte CO2 verantwortlich. Das kann sein, muss aber nicht. Denn so weit wie sich die Torfgebiete flussaufwärts erstrecken, so weit reicht auch die Tide. Ebbe und Flut können CO2 aus Ufergebieten in den Fluss „pumpen“. Deshalb sind vermutlich nicht nur die Torfe, sondern auch die Gezeiten wichtige Einflüsse auf das CO2 im Fluss. Insgesamt ist der Rajang eine mittelstarke Quelle von CO2, wenn man ihn mit anderen Flüssen in Südostasien vergleicht.

Die gesamte Studie habe ich bereits zu Papier gebracht. Momentan sind meine Forscherkollegen aufgerufen, sie zu begutachten und auf Stichhaltigkeit zu prüfen. Die Zeitschrift, die ich gewählt habe, macht dieses Begutachtungsverfahren öffentlich. Daher findet man meinen Artikel und die Diskussion darum bereits online.

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